Dortmund. Man mag zu Michael Wendler stehen, wie man will – wichtig ist aufm Platz: Und der hieß am Samstag Signal Iduna Park. Mit notorisch offenem Hemd heizte der „König des Pop-Schlagers“ seinen etwa 1 500 Fans ein.
Die Blöcke 70 bis 77 der Nordtribüne des BVB-Stadions fallen ausgewiesenermaßen nicht in die Kategorie Stehplatz. Egal für die Anhängerschaft von „der Wendler“: Die Klappsitze bleiben unangetastet während der 90 Minuten in der der Schlagerbarde sein Feuerwerk der guten Laune abbrennt. Die Zutaten hierfür sind narrensichere Refrains und immer gleiche Disco-Beats, bei denen es auch mit erhöhter Promillezahl unmöglich ist, aus dem Takt zu geraten.
Ob man will oder nicht verbleiben Titel, wie „Sie liebt den DJ“ oft tagelang im Ohr. „Der Wendler“ bringt seinen wohl bekanntesten Hit zu Beginn und sorgt bei seinem Publikum gleich für das Maximum an Ausgelassenheit - und die wird während des gesamten Konzertes nicht weniger. Singen braucht der Popschlagerkönig eigentlich nicht, bildet sein textsicheres Publikum doch das perfekte Playback seiner Songs, die er nur noch zu dirigieren braucht.
Frauen sind klar in der Überzahl
Artikel plus Nachname gleich eingetragenes Warenzeichen – etwas selbstironisch (so ist zu hoffen) spricht der 37-Jährige bei seinen Ansagen von sich wie gewohnt in der dritten Person: „Der Wendler hat sich letztens verliebt, sie hieß nicht Sandra, sondern …“ – „Nina“, ergänzt die jubelnde Menge, in der die Frauen klar in der Überzahl sind.
„Jackpot“ heißt das neue Album, das „der Wendler“ an diesem Abend vorstellt und auf dem eigentlich alles beim Alten ist, wie etwa die Single „Piloten wie wir“ beweist, die aus den bewährten Zutaten (siehe oben) gestrickt ist. Selbst die vermeintliche Ballade, „Das Tagebuch“, im Duett mit Diana Sorbello, klingt typisch nach „der Wendler“ – nur in langsam. Der Stimmung tut dies keinen Abbruch: „Wo seid ihr? … die Hände … zicke zacke …“ sind unmissverständliche Kommandos, die die Schlager-Party weiter vorantreiben.
Der Wendler braucht sich nicht anbiedern
Da braucht sich „der Wendler“ gar nicht mit Zeilen, wie „… der BVB ist die Macht“ anbiedern, wie es bei „Wir aus dem Revier heißt“. Ein Song, der den Ruhrpottpatriotismus beschwören soll, frei nach Wolle Petris „Ihr seid das Ruhrgebiet“. Passend dazu drehen sich die Tänzerinnen auf der Bühne grubenbehelmt.
„Diese Nacht schreit deinen Namen“ - geht aber auch mal zu Ende, zumindest für den Popschlagerkönig: „Jetzt muss der Wendler aber los“, ausschlafen für eine frühmorgendliche Aufzeichnung des ZDF-Fernsehgartens, wie er erklärt. Mit „Unbesiegt“ und „I don´t know“ bestreitet der Sänger die Nachspielzeit und lässt die Fans noch mal jubeln. Wichtig ist aufm Platz.